Summer School in Kolumbien

28.08.2018 - Lara Kristin Zeitel

Kolumbien Seit 2015 unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Zusammenarbeit deutscher und kolumbianischer Wissenschaftler sowie das Projekt „MEDICI - Humanitarian Microwave Detection of Improvised Explosive Devices in Colombia“. Im Rahmen dieser Kooperation bekamen 30 junge Studierende zweier kolumbianischer Universitäten nun die Chance, von Ende Juli bis Anfang August jeweils eine Woche an einer „Summer School“ der Ruhr-Universität Bochum teilzunehmen. Wo? Natürlich in den Räumen der eigenen Unis in Bogotá sowie in Medellín. Bereits im dritten Jahr fand die Summer School statt, welche von den kolumbianischen Universitäten finanziert wird. Teilnehmen durften alle interessierten Bachelor und Master-Studierenden der entsprechenden Universitäten. Kolumbien1

Der Bachelor dauert in Kolumbien statt der in Europa üblichen sechs ganze zehn Semester. „Das bedeutet viel Grundlagenwissen auf vielfältigen Gebieten“, erklärt Dr.-Ing. Christoph Baer vom Lehrstuhl für Elektronische Schaltungstechnik, der die Summer School seit drei Jahren leitet. Während der Summer School wurde den Teilnehmern schnell klar, an welcher Stelle all die Grundlagen des Studiums zum nützlichen Handwerkszeug werden. „Gerade die Radartechnik vereint diese vielseitigen Grundlagen aus dem Studium und zeigt, was damit möglich ist“, erklärt Christoph Baer.

Jedoch ist in Kolumbien die Teilnahme an einer „Summer School“ häufig nicht für alle Studierenden finanziell erschwinglich. Besonders an der staatlichen Universität in Bogotá scheint Wissen noch immer ein verhältnismäßig teures Gut zu sein. Um dem Abhilfe zu schaffen, verzichtete der Wissenschaftler aus Bochum auf ein Honorar. Um auch zukünftig mehr kolumbianischen Studierenden die Chance auf Seminare und weiterführende Bildung zu ermöglichen gibt es seitens der Fakultät für Elektrotechnik an der RUB darüber hinaus Bestrebungen die südamerikanischen Partner weiter zu unterstützen.

Während in der ersten Woche insgesamt 20 Studierende der Universidad Nacional in Bogotá an der Summer School teilnahmen, nutzten in Medellín an der privaten Universiade Pontificia Bolivariana in Woche 2 insgesamt 10 Studierende die Chance und tauschten sich mit Kursleiter Dr.-Ing. Christoph Baer über die Grundlagen des Radars aus, simulierten verschiedene Radarkomponenten und programmierten selbst Auswertealgorithmen für einfache Radaranwendungen. Am Ende gab es für alle Teilnehmer ein Summer School Zertifikat.

Neben der zweiwöchigen Summer School hielt der Doktor der Ingenieurswissenschaften vor Ort zudem spontan einen längeren Vortrag über die aktuelle Radarforschung an der RUB. „Ich erhoffe mir, dass wir die Kooperation zur Uni Nacional in Bogotá als auch zur UPB in Medellín soweit ausbauen können, dass alle Partner und Studierenden langfristig davon profitieren“, sagt er. Und die ersten Grundbausteine sind dafür längst gelegt: „Wir haben bereits einige Studierende aus Kolumbien bei uns an der RUB. Die Studenten und Professoren in Kolumbien scheinen an einem größer angelegten Austausch mit unserer Fakultät sehr interessiert zu sein“, sagt Christoph Baer. „Auch für unsere Studenten ist das eine große Chance“, betont er.

Doch nicht nur die Vernetzung steht für ihn im Fokus. „Es geht auch darum, das gemeinsame Wissen nachhaltig zu nutzen, um beispielsweise die humanitäre Landminensuche weiter zu unterstützen“, erklärt er. Da die genaue Anzahl der in Kolumbien verborgenen Explosionswaffen bis heute unbekannt ist und vorhandene Detektionsmethoden unzureichend funktionieren, zeigt sich die Radartechnik als zukunftsweisendes Forschungsfeld im Kampf gegen Landminen.

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