Damals in der Fakultät: Prof. Fettweis

14.01.2015 - Janine Bruder

alfredfettweis „Damals in der Fakultät“ heißt unsere neue Serie anlässlich des Jubiläumsjahres der Ruhr-Universität Bochum. Jeden Monat gehen wir einer Frage rund um die Geschichte der Fakultät auf den Grund. Im Januar fragen wir: Wissen Sie, wann die Fakultät für ETIT den Lehrbetrieb aufnahm? Die Antwort darauf und Eindrücke aus dieser Zeit erhalten Sie von Prof. Alfred Fettweis, einem unserer Gründungsväter.

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Am 15. Oktober 1968 starteten 40 Studienanfänger ins Studium der Elektrotechnik und Informationstechnik an der RUB. Im Gespräch mit Janine Bruder berichtete der ehemalige Professor für Nachrichtentechnik Alfred Fettweis († 20.08.2015) über die ersten Jahre der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RUB.

Professor Fettweis, erinnern Sie sich an Ihren ersten Tag in der Fakultät?

„Ich habe zunächst die Ernennungsurkunde in Empfang genommen. Mein Lehrstuhl war anfangs nur behelfsmäßig im Gebäude IB untergebracht. Nach etwa einem halben Jahr war IC fertiggestellt und wir gehörten zu den Ersten, die in langfristig für sie geplante Räume einziehen konnten.“

Wann kamen Sie an die Fakultät?

„Ich bin am 8. Dezember 1966 mit Wirkung zum 1. April 1967 zum Professor für Nachrichtentechnik ernannt worden. Vorher hatte ich einen Lehrstuhl in den Niederlanden. Den Ruf nach Bochum erhielt ich schon im Juni 1965, doch durch Unsicherheiten zog sich meine Ernennung hin. Ursache hierfür war die Gründung einer weiteren, technisch orientierten Universität in Dortmund. Durch einen Beratervertrag konnte ich bereits im Jahr vor meinem Dienstantritt am Aufbau mitwirken.“

Wegen der Neugründung der Universität Dortmund entschied das Kultusministerium im Jahr 1967, die Zahl der ursprünglich geplanten 15 Lehrstühle der Bochumer Elektrotechnik auf sieben zur verringern. Welche Folgen hatte das für die RUB-Fakultät?

„Das hatte dramatische Folgen, denn damit war die Fakultät nicht wirklich lebensfähig. Mit erst sechs, dann sieben Lehrstühlen hätten wir die fachliche Breite der modernen Elektrotechnik nicht kompetent abdecken und bestenfalls ein Schmalbandstudium anbieten können. Im Jahr 1970 förderte das Ministerium immerhin zehn Lehrstühle und im Laufe der Jahre kamen dann glücklicherweise weitere hinzu.“

Wie setzte sich der Verwaltungsapparat der Fakultät damals zusammen?

„Als ich von Herbst 1970 bis Frühjahr 1972 Dekan war, bestand das Dekanat nur aus der Sekretärin Frau Schulz und mir – das war es. Oft haben wir beide gemeinsam bis spät abends Sitzungen vorbereitet, Protokolle erstellt, Korrespondenz erledigt usw. Obendrein musste ich den eigenen Lehrstuhl aufbauen, Lehrveranstaltungen planen und vorbereiten.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Fettweis!

Zur Person

Prof. Fettweis gehört zu den Gründungsvätern der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik. Er stammt aus der kleinen deutschen Minderheit in Belgien und studierte Elektrotechnik an der Université Catholique de Louvain. Nach einer zwölfjährigen Industrietätigkeit in Belgien und den USA promovierte Fettweis 1963 und trat im gleichen Jahr eine Professur für Theoretische Elektrotechnik an der Technischen Universiteit Eindhoven, Niederlande, an. Ab 1967 hat er an der Ruhr-Universität Bochum den Lehrstuhl für Nachrichtentechnik aufgebaut. Nach seiner Emeritierung 1992 leitete er den Lehrstuhl noch bis zum Herbst 1993.

Zahlreiche Auszeichnungen

Sechs Ehrendoktorwürden erhielt der heute 88-Jährige von der schwedischen Universität Linköping (1986), der belgischen Faculté Polytechnique de Mons (1988), der Katholieke Universiteit Leuven (Belgien, 1988), der Technischen Universität Budapest (Ungarn, 1995), der Universität Politechnika Poznanska (Posen, Polen, 2004) und der Universität Paderborn (Paderborn, 2011). Prof. Fettweis ist Life Fellow des Institute of Electrical and Electronics Engineers (New York), Mitglied der Academia Europaea (London), der Academia Scientiarum et Artium Europaea (Salzburg/Wien), der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und seit 1975 Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

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