Im Interview: Prof. Michael Hübner

michaelhuebner Prof. Dr.-Ing. Michael Hübner wählte einen Bildungsweg, der für Akademiker nicht unbedingt üblich ist. Zunächst entschied er sich für eine Lehre als Kommunikationselektroniker. In der Tradition seines badischen Vaters wollte er als Handwerker richtig „schaffe“ und Dinge umsetzen. Als er allerdings seinen Ausbilder fragte, warum etwas funktionierte und dieser antwortete: „Das brauch Sie nicht zu interessieren. Hauptsache, es geht!“ war ihm klar, dass er mehr lernen wollte. Das Abitur holte er auf dem zweiten Bildungsweg nach und studierte dann Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe. Er promovierte im Jahr 2007, seine Habilitation folgte 2011, seit April 2012 leitet er den Lehrstuhl für Eingebettete Systeme der Informationstechnik an der RUB.

Sie leiten den Lehrstuhl für Eingebettete Systeme der Informationstechnik.
Was genau sind „Eingebettete Systeme“?

Prof. Michael Hübner: „In diesem Fall heißt ‘eingebettet‘, dass man sich zwischen einem Sensor, also einem signalaufnehmenden System, und einem signalabgebenden System befindet und dort Berechnungen durchführt. Ein einfaches Beispiel: Die Temperatur in einem Raum soll automatisch angepasst werden. Ein Sensor misst also die Temperatur, das eingebettete System verarbeitet diese Daten und steuert damit das Ventil der Heizung an. Eingebettete Systeme sind in der Regel Prozessoren oder parallel arbeitende Hardware-Strukturen.“

Seit wann gibt es eingebettete Systeme?

Prof. Michael Hübner: „Begonnen hat das Ganze als man anfing, Rechner und Sensoren in der Großindustrie miteinander zu vernetzen, das war noch vor der Internet-Zeit. Als Fernseher mit Fernbedienung und digitaler Programmanzeige auf den Markt kamen, ging es los, dass die Elektronik in Form von eingebetteten Systemen nach und nach in alle Lebensbereiche eingezogen ist. Es folgten die ersten Waschmaschinen mit einem elektronischen Timer und Autos mit einer elektronischen Zündung. Durch die mobilen Geräte nahm dieser Prozess Fahrt auf. Jetzt gibt es Smartphones, die einen totalen Umbruch in der Vernetzung ermöglichen. Schon bald könnten sie die PCs ersetzen und alles steuern.“

Das klingt nach starkem Wachstum: Wie sieht die Zukunft aus?

Prof. Michael Hübner: „Die Reise geht in Richtung totaler Vernetzung. Da sind wir beim ‚Internet der Dinge‘. Das Internet, wie wir es kennen, vernetzt Computer, nun vernetzen wir ‚Dinge‘ miteinander. Das können die Schalter im Haus sein, Kühlschränke, Waschmaschinen oder Autos. Wir sind auf der Suche nach technischen Lösungen, die das alltägliche Leben stark optimieren und verbessern können. Das gilt sowohl für das Leben zuhause als auch für Arbeitsprozesse. Ein Riesen-Markt liegt meines Erachtens in der Gesundheitsunterstützung und im Umweltschutz. Ich glaube, dass genau diese Entwicklungen schon bald zu den treibenden Kräften in Industrie und Wirtschaft zählen.“

Was sind für Sie die fachlichen Herausforderungen der kommenden Jahre?

Prof. Michael Hübner: „Die große Herausforderung besteht aktuell darin, Systeme zu bauen, die sehr viel effizienter als herkömmliche Lösungen arbeiten. Neue Hardware-Architekturen verbrauchen bei bis zu 1000facher Beschleunigung nur ein Hundertstel der Energie. Dabei muss die Flexibilität und Adaptivität von Rechnersystemen weiter ausgebaut werde. Zugleich geht es aber auch darum, die Sicherheit und Robustheit der Systeme zu gewährleisten. In unserem Forschungsprojekt „FlexTiles“ entwickeln wir momentan einen neuen 3D-Chip, der tausende traditioneller Prozessoren mit darüber liegenden konfigurierbare Hardware-Einheiten verbindet. Mit der Nutzung der dritten Dimension beim Chip-Design erhöhen wir die Dichte drastisch. Die physikalischen Grenzen in der Fläche sind erreicht, daher geht es jetzt in die Höhe.“

Welche Faszination hat Ihr Fachgebiet für Sie?

Prof. Michael Hübner: „Faszinierend ist zum Beispiel, wenn Methoden, die man bislang für etwas ganz anderes verwendet hat, neu kombiniert Sinn ergeben. Oder interdisziplinäre Ansätze: Zurzeit arbeite ich mit Wissenschaftlern aus der ganzen Welt daran, eine neue Generation von Speichern zu bauen, die sich selber verwalten, die also gezielt vergessen und sich auch wieder erinnern können. Da sitzen wir mit Neuroinformatikern und Computerspezialisten an einem Tisch und ‚würfeln‘ unser Wissen zusammen. Dass dadurch tragfähige Lösungen entstehen, gefällt mir richtig gut.“

Gibt es Situationen in Ihrem Berufsalltag, die Sie überraschen?

Prof. Michael Hübner: „ Ja, klar.“ (lacht) „Ich bin beispielsweise immer wieder überrascht, wie schnelllebig manche Entwicklungen sind und wie viele Wissenschaftler technischen Hypes hinterherrennen. Genau die schreiben sich viele auf ihre Fahnen und meinen, sie machen ganz neue Dinge. Hier muss man vorsichtig sein, oftmals versteckt sich dahinter Altbekanntes. Aber vielleicht brauchen wir das auch manchmal, um wieder Bewegung in eine Sache zu bringen.“

Herr Hübner, vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview mit Prof. Michael Hübner führte Meike Klinck im August 2014.